
Leseprobe 1, aus Kapitel 16: "Quantensuppe"
„Es gibt eine Theorie, die
besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da
ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird
durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Und es gibt
eine andere Theorie, nach der das bereits geschehen ist.“
(Douglas Adams)
Quantensuppe
Am Abend kam
unweigerlich die nächste Diskussion auf. Je abstrakter die Inhalte
der Vorträge, desto mehr Fragen tauchten auf. Das konnte kaum
einer so auf sich beruhen lassen und womöglich mit in die
Traumwelt nehmen. Obwohl natürlich auch von hier manch Antwort
kommen konnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür wurde aber durch eine
Diskussion, das Drehen und Wenden im Geist, den Austausch mit den
anderen, erhöht, indem dem Unterbewussten mehr Ansatzpunkte
gegeben, mehr Tore geöffnet wurden.
Die nächste Frage kam von Harry: „Wenn Brahman
allumfassendes Bewusstsein ist, und Brahman in allem ist, muss
Bewusstsein in allen Phänomenen der Schöpfung sein. Und so
wird es auch in spirituellen Texten immer wieder auf vielfältigste
Weise beschrieben.“
„Und? Ist denn die Vorstellung so abwegig, dass alles von
Bewusstsein durchdrungen ist, dass Gedanken Wirklichkeit erschaffen,
auch materielle Wirklichkeit?“, fragte Conny. „Dass unter
den Milliarden von Schwingungen in der Luft, die wir nicht sehen,
anfassen oder riechen können, genau die Schwingungen in unseren
Fernseher kommen und das Bild erzeugen, dass wir gewählt haben,
erstaunt doch auch niemanden. Und wenn wir wissen, dass
Bewusstseinsenergie oder Gedankenenergie ebenso Schwingungen sind, nur
wesentlich hochfrequenter, was ist dann daran so verwunderlich, dass
Bewusstsein auch in Steinen existiert, oder dass wir mit Gedankenkraft
Gegenstände bewegen, oder bestimmte Lebensereignisse
manifestieren?“
„Eben,“ pflichtete Kalle ihr bei. „Wenn die westliche
Wissenschaft kein Bewusstsein feststellt, heißt es ja nicht
zwangsläufig, dass es keines gibt. Es kann ja auch heißen,
dass die Messinstrumente nicht tauglich sind. Und dass das so ist,
zeigt die Geschichte der Wissenschaft überall. Wann immer eine
neue Perspektive ausprobiert wurde, wann immer eine neue Messtechniken
entwickelt wurde, entdeckte man Phänomene, die bis dahin als nicht
existent abgetan wurden, oder man fand endlich Erklärungen
für nicht bestreitbare Phänomene. Um so unverständlicher
die Hysterie oder Ächtung wissenschaftlicher Kollegen, die sich
trauen, über die bornierte Beschränktheit der etablierten
Wissenschaftslobbyisten hinaus zu denken. Die Inquisition besteht auch
heute noch in den Wissenschaften, genau wie im Alterum, nur sind die
Mittel subtiler geworden.“
„Jedenfalls wird in der modernen Wissenschaft, in den noch immer
avantgardistisch zu nennenden Bereichen der verschiedenen
Wissenschaftszweige, vor allem Physik und Biologie, der Geist als
Informationsfeld verstanden. Die 'Leere', von der in spirituellen
Texten die Rede ist, ist nichts anderes als das Vakuum, der Raum
zwischen den subatomaren Partikeln. Denn was wir als feste Materie
ansehen, ob beim Menschen, bei der Erde oder im All, ist materiell
gesehen zu 99,999% leerer Raum. Dieser Raum ist allerdings gefüllt
mit Energie und Information, das 'Meer aller Möglichkeiten', aus
dem der Geist, das Bewusstsein, wählt, was manifestiert wird.
Oder, um mit dem Physiker David Bohm zu sprechen, aus der impliziten
eine explizite Ordnung hervorzubringen. Und das menschliche Bewusstsein
ist ständig und untrennbar verbunden mit diesem universellen
Bewusstsein, diesem Meer der Möglichkeiten. Und schöpft
ständig, bewusst oder unbewusst, je nach Stand seiner
Differenzierungsfähigkeit und Offenheit, aus diesem unendlichen
Potenzial.“
„Klingt doch wunderbar, was du da sagst, Harry, oder?“, meinte Conny.
„Ja, und es gibt mehr und mehr Literatur darüber.
Forschungsergebnisse, die an anerkannten, seriösen Instituten wie
z.B. Princeton von anerkannten Wissenschaftlern geliefert wurden. Dort
gibt es z.B. ein Global Consciousness Project, bei dem man für
Theorien wie die des holografischen Charakters des Universums oder die
eines morphogenetischen Feldes experimentell signifikante Ergebnisse
fand. Insbesondere fällt mir da ein Artikel ein von einem Dr.
Warnke in der Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren, das
muss etwa Juli 2005 gewesen sein, also sehr aktuell, der ganz
komprimiert und ganz klar einige dieser Phänome beschreibt. Z.B.
dass bei der Informationsübertragung weder Zeit noch Raum eine
Rolle spielen. Dass es ein globales Bewusstseinsfeld gibt, durch das
Menschen z.B. auf Ereignisse wie den Anschlag vom 11.9. oder andere
Katastrophen reagieren. Das konnte jetzt gemessen werden! Und ein
Forschungszentrum in München kam zeitgleich zu sehr ähnlichen
Ergebnissen. Dass auch Tiere, Pflanzen und sogar scheinbar 'tote
Materie' über solche Art Bewusstseinsfelder verfügen.“
„Tja“, meinte Conny, „so kann man wohl sagen: 'Gott
ist in allem.' 'Gott schläft auch in den Steinen', hab ich mal
irgendwo gelesen.“
„Das erinnert mich an die Bücher von Jane Roberts, wo sie
eine Wesenheit namens Seth gechannelt hat, die kennt ihr doch, diese
Bücher, oder?“ Kalle schaute in die Runde, als ob klar
wäre, dass alle diese Bücher kennen müssten. „Da
wird nicht nur dargelegt, wie die Psyche unsere Gesundheit beeinflusst,
wie wir unsere persönliche Realität, unsere Beziehungen
selbst erschaffen, sondern auch, wie z.B. das Wetter durch Gefühle
beeinflusst wird, soziale Beziehungen, alles. Dass also die
Intensität unserer Gefühle dabei eine Rolle spielt, und als
kollektive Kräfte stark genug sind, Phänomene der Natur zu
beeinflussen bzw. hervorzurufen. Ganz bestimmte Fähigkeiten und
Eigenheiten eines Menschen sind in Form ganz spezieller Energiemuster
an Objekte, z.B. menschliche Organe, gebunden. Man hat bei
Organspendern festgestellt, dass Empfänger von Organen, und nicht
nur Herzen, genau solche Eigenheiten, Interessen und Fähigkeiten
entwickelt haben, wie sie der Organspender hatte! Das hat teilweise
deren ganzes Leben verändert.“
„Echt?“, wunderte sich Conny.
„Ja. Stand mal in irgendeinem PM-Heft, ich glaube April 2005 oder so.“
„Ist doch populärwissenschaftlich.“ Kalle dachte dabei
in Richtung bestimmter Illustrierten, die eher die
Gerüchteküche bedienten. Aber weit gefehlt,
möglicherweise.
„Na und?“, entgegnete Conny, „Das heißt noch
lange nicht, dass es nicht stimmt. Sind ja schließlich
nachprüfbare Quellenangaben drin. Und absichtsvolle
Heimlichtuerei, um nicht zu sagen manipulative, demagogische Praktiken
sind ja bei den von der Wirtschaft bezahlten universitären Studien
und Publikationen kein Geheimnis. Und jeder, der mal Statistik belegt
hat weiß, dass man nahezu jedes Ergebnis rauskriegen kann, das
man haben will. Wenn man will.“
„Ja, ja,“ stimmte Harry amüsiert zu, „ich
erinnere mich lebhaft. Und diese Experten, die da von den hochpolierten
Podesten universitärer Ruhmeshallen herabproklamieren, sind ja oft
auch von ganz persönlichen Interessen motiviert, sei es
Geltungsdrang oder sie sind sehr von sich eingenommen, oder sonst was.
Und, nachgewiesenermaßen, gehen Genie und Wahnsinn
tatsächlich Hand in Hand bzw. Neuron in Neuron. Dazu kommt, dass
vor ca. 100 Jahren ein Experte etwa 90 % seines Fachgebietes
beherrschte. Heute ist das sogenannte Wissen so immens gewachsen, dass
ein Experte gerade Mal mit vielleicht 5 % vertraut ist. Also von daher
sind als Infoquelle sicher eher eine Sammlung verschiedener Meinungen
oder Texte von möglichst unabhängigen
Wissenschaftsjournalisten ergiebiger. Jedenfalls kannst du als
gebildeter Laie kaum unterscheiden, welche Infos was taugen und welche
nicht.“
„Aber nochmal zu den Energiefeldern,“ meldete Kalle sich
zurück, „Im Kleinen merken wir doch auch, wie eine Menge von
Menschen eine bestimmte Stimmung erzeugt, die sich auf andere,
Unbeteiligte auswirkt. Dieses sich anstecken lassen, oder aufstacheln
lassen, vom Fussballstadion über eine künstlerische
Darbietung bis zur Massensuggestion an bestimmten heiligen Orten,
meinetwegen Lourdes oder anderswo. Da entstehen Phänomene, die
dann tatsächlich real sind. Aber auch in positiver Form hier im
Satsang bei der Meditation, beim Chanten. Und im größeren
Rahmen ist dann auch jede Friedensmeditation wirkungsvoll, und im
kleinen jeder positive Gedanke.“
„Und jeder negative. Jeder Fluch und jedes Gebet. Schon
krass!“ Harry wurde etwas mulmig bei dieser Vorstellung.
„Und ein Mensch mit großem Charisma, ob nun positiv oder
negativ, kann ganze Völker in den Krieg führen.“
„Oder Tausende, vielleicht Zehntausende zum Frieden“. Conny
konzentrierte sich auf's Positive. „Und zum Glück gab und
gibt es immer wieder solche Meister und Avatare. Rama, Krishna, Buddha,
Jesus. Oder neuzeitlichere wie Ramakrishna, Ramana Maharshi, Babaji,
Sri Aurobindo, Gandhi, Paramahamsa Yogananda, Ananadamayi Ma, um nur
mal einige zu nennen. Natürlich auch Meister wie Swami Sivananda,
Krishnamacharya, Baba Neem Karoli, und viele noch lebende Meister und
Meisterinnen wie Amma, Sai Baba, Thich Nhat Hanh, der Dalai Lama, die
Liste ließe sich noch weit fortsetzen. Und dazu kommen tausende
von Lehrern, Meistern und Meisterinnen, die von einigen als erleuchtet,
von anderen auch nicht als erleuchtet angesehen werden, die auch
teilweise noch mit Resten ihres Ego zu kämpfen haben, die
vielleicht noch nicht 'vollkommen' sind, oder die nicht so sehr
populär geworden sind, und dennoch unschätzbare Dienste
für die Menschheit geleistet haben oder immer noch leisten.“
Harry erinnerte sich an ein Seminar aus dem Studium über das
Unbewusste, das sein Interesse für C.G. Jung geweckt hatte.
„In der Psychologie hat C.G.Jung schon in den 30er Jahren diese
Ideen von transzendenten Energiefeldern aufgegriffen, als er
Phänomene wie Synchronizität erklären wollte, also die
Gleichzeitigkeit von bedeutungsvollen Ereignissen, die auf der rein
materiellen Ebene keinen Zusammenhang erkennen ließen. Also zum
Beispiel, wenn die Uhr stehen bleibt und du hast ein mehr oder weniger
diffuses Gefühl, dass etwas passiert ist, und später
erfährst du, dass ein z.B. dein Opa genau in dem Moment gestorben
ist. Oder Jungs Archetypenlehre. Beides fand ja mit der Annahme solch
eines transzendenten Raumes, in dem alle Informationen gespeichert
sind, in dem Nicht-Lokalität und Gleichzeitigkeit von
Informationen gegeben sind, eine wunderbare Erklärung. Auf einer
bestimmten Ebene dieses Raumes sind auch bestimmte psychische
Grundmuster für allgemeine menschliche Erlebensweise oder
Prinzipien, eben die Archetypen, gespeichert. Der Archetyp des Vaters,
der Mutter, des Kriegers, des Weisen, des Heilers und viele mehr, die
dann für die Psyche des Einzelnen als Verhaltensmatrix oder
Erlebnisweise zur Verfügung stehen. Oder ähnlich, in
vedischer Terminologie die Ishvaras: Shiva, Vishnu, Durga, Lakshmi, und
wie sie nicht alle heißen. Wobei es hier allerdings eher um
explizit spirituelle Archetypen handelt. Parallel dazu in den Veden
wird von der Akasha-Chronik gesprochen. Es heißt, dort sind alle
Gedanken und Gefühle aller Menschen, alle Schicksale, vergangene
wie zukünftige aufgezeichnet.“
„Das klingt ja sehr deterministisch“, klang Kalle eher abgeneigt.
„Ja, das scheint mir auch etwas problematisch.“ stimmte
Harry zu. „Ich denke aber, es handelt sich im Wesentlichen auch
um ein Potenzial, einen virtuellen Ereignisraum. Also nicht alles, was
dort aufgezeichnet ist, muss sich auch manifestieren. Deshalb sind ja
auch die Aufzeichnungen in der Palmblatt-Bibliothek und andere
prognostische Systeme mit großer Vorsicht zu
genießen.“
„Sonst könntest du ja nicht bewusst und freiwillig Karma
abbauen. Und den freien Willen, den könntest du ja völlig
vergessen.“
„Tja, Kalle, wie frei der Wille tatsächlich ist, das ist
wieder ein Kapitel für sich. Da hören wir sicher noch mehr
drüber. Aber was die Akasha-Chronik betrifft, da könnten wir
vielleicht mal jemand anderen noch fragen“, schlug Conny vor.
„Sicher. Jedenfalls, für genau diese Phänomene von
Bewusstsein und Informationsübertragung werden jetzt in
wissenschaftlichen Experimenten mehr und mehr Nachweise gefunden. Ist
doch irre, oder?“ Harry war fasziniert.
Inzwischen hatten sich, aufmerksam geworden durch die intensive
Stimmung am Tisch, noch ein paar andere Ausbildungsteilnehmer dazu
gesellt, die äußerst interessiert zuhörten.
An diesem Punkt schaltete Anne sich ein. „Und für
diesbezügliche Erklärungsmodelle liefert die Quantentheorie
den Hintergrund. Basierend auf Bells Theorem, das besagt, dass es keine
voneinander unabhängigen Systeme gibt, formulierte Nick Herbert
das Quantenunteilbarkeitsprinzip, das die Informationsübertragung
unabhängig von Zeit und Raum erklärt. Es muss also ein Medium
geben, das die Informationen überträgt. Dieses Medium ist
wahrscheinlich Bewusstsein, oder Information selbst, letztlich eine
Frage der Definition.
Ist euch schon mal aufgefallen, dass die Beschreibung von Gott
eigentlich genauso klingt, wie die Beschreibung von ungebundener
Energie, von Potenzial? Ohne Anfang, ohne Ende, allumfassend, ohne
zeitliche und ohne räumliche Begrenzung, unendliches Potenzial,
kann jede Gestalt annehmen, steckt in allem und jedem drin?“
In der Tat, dachte Harry. Warum sieht der 'liebe Gott' alles? Weil er in allem drinsteckt!
„Wenn du Bewusstsein mit Information gleichsetzen willst,
lässt sich das auch in Einklang bringen mit der sogenannten
Unschärferelation von Werner Heisenberg. Und das war schon 1927!
Die besagt, dass ein Phänomen aus einer gewissen
'Wahrscheinlichkeitswolke', also aus einem Potenzial an
Möglichkeiten, erst durch das wählende Bewusstsein eines
Beobachters reale Formen annimmt, sich manifestiert. Oder besser
gesagt, eines Teilnehmers, denn folgerichtig sind eben dieser
'Beobachter' und das, was er beobachtet bzw. aus der
Wahrscheinlichkeitswolke manifestiert, unmittelbar miteinander
verbunden. Also, metaphorisch gesprochen, Schauspieler und Zuschauer
gleichzeitig. Womöglich sind wir auch an Drehbuch und Regie
beteiligt. Und das auf der Ebene subatomarer Partikel. Physikalisch
formuliert, ist das subatomare Phänomen ein Partikel oder eine
Welle, je nach beobachtendem Teilnehmer. Psychologisch und spirituell
formuliert: Unser Bewusstsein erschafft Wirklichkeit! In der
Psychologie beschäftigt sich damit die Systemtheorie und der
Konstruktivismus. Der Physiker Nils Bohr meinte wohl zu Recht: 'Wer von
der Quantentheorie nicht schockiert ist, hat sie nicht verstanden.' Und
Eugene Wigner hat ganz klar behauptet, dass die Quantentheorie die
Existenz eines universellen Bewusstseins beweise.“
Harry staunte. Die Anne kannte sich ja bestens aus. Und so langsam redete sie sich warm, um nicht zu sagen heiß...
„Kennt ihr die String-Theorie?“, fragte Anne voller Enthusiasmus in die Runde.
Klar, dachte Harry. Die String-Theorie besagt, dass dadurch der Arsch
besser zur Geltung kommt! Dabei musste er allerdings doch etwas
über sich selber schmunzeln. Über die physikalische
String-Theorie hatte er allerdings auch mal was gelesen
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